
Es ist wieder eines dieser undankbaren Themen. Eines dieser Dinge, von denen man weiß, dass sie höchstwahrscheinlich nicht unter Linux funktionieren werden. Das sagt einem einfach das Bauchgefühl. Wer versucht seine für meist viel Geld erworbenen Blu-ray Discs unter Linux nutzen zu können liegt mit diesem Bauchgefühl leider richtig, wenn auch nur in Teilen. Es ist durchaus möglich Blu-ray Filme unter Linux anzuschauen, diese müssen aber eigene, nicht verschlüsselte Discs sein, denn zum aktuellen Zeitpunkt gibt es keine Software, die in der Lage wäre im Laden gekaufte, verschlüsselte Blu-rays abzuspielen.
Steht man als Linux Benutzer also mal wieder im Regen und darf warten, bis findige Programmierer eine Schwachstelle in der Verschlüsselung finden und es möglich wird BDs zu gucken. Ähnlich war es auch bei den DVDs der Fall. Bereits nach kurzer Zeit erschien die Programmbibliothek libdvdcss, die zur Entschlüsselung von CSS verschlüsselten DVDs in der Lage ist und es eigentlich jedem Open-Source Multimediaprogramm ermöglichte DVD abzuspielen. In Deutschland ist die Programmbibliothek, die auch übrigens auch von dem bekannten Videoplayer VLC verwendet wird, verboten. Deswegen ist die libdvdcss nicht im Standardumfang von bekannten Distributionen wie Ubuntu enthalten. Ähnlich wird es sich mit einer „libbluray“ verhalten. Diese würde ebenfalls in Deutschland verboten sein, weil ein Kopierschutz umgangen wird.
Doch es wird wohl noch eine Weile dauern, bis es möglich wird hochauflösende Filme unter Linux zu gucken, denn die Verschlüsselung einer Blu-Ray ist deutlich stärker und hat auch weniger Fehler die ausgenutzt werden können um sie zu knacken.
Die Verschlüsselung der DVD hatte einen 40Bit langen Schlüssel, der durch Designfehler in der Verschlüsselung auf 25 Bit reduziert werden konnte, dadurch wurde es sehr leicht die Schlüssel zu erraten. Bei Blu-Ray Discs und auch HD DVDs kommen 128-Bit lange AES Schlüssel zum Einsatz, die es ungleich schwerer machen den richtigen Schlüssel zu finden. Nun kann man sich natürlich die Frage stellen, warum man überhaupt versuchen sollte irgendwas zu knacken, wenn man den Film doch teuer erworben hat?
Das Problem an der ganzen Sache ist, dass die Hersteller von Abspielsoftware die Lizenz teuer erwerben müssen und verhindert werden soll, dass Filme illegal kopiert werden.
Es gibt zwar die Möglichkeit über AnyDVD HD den Film auf die Festplatte zu ziehen und dann zu gucken, doch dies ist im Grunde genommen auch illegal.
Am erfolgversprechendsten scheint der in der Ubuntu-Wiki beschriebene Weg zu sein. Hier wird Schritt für Schritt erklärt, wie es möglich ist, manche Blu-Ray Filme zu gucken und die Sperre zu umgehen.
Es ist jedoch fraglich, ob die an der Blu-Ray Entwicklung beteiligten Firmen mit ihrem Verschlüsselungswahn nicht genau das Gegenteil von dem erreichen, was sie eigentlich erreichen wollten. Wären die Blu-Ray Discs unverschlüsselt könnte man sie ohne Probleme unter jedem Betriebssystem nutzen und alle wären glücklich. Unter MacOS X ist es ebenfalls nicht möglich in den Genus dieser Filme zu kommen. Bleibt also nur abzuwarten.