Buchempfehlung: Journalistisches Schreiben – Associated Press

Das Wort als Handwerkszeug für gelungene Ausdrucksweise einzusetzen fällt nicht jedem leicht. Auch die Talentierten unter den Schreibern machen häufiger mal Fehler und bringen -bei genauerer Betrachtungsweise- merkwürdige Grammatikkonstrukte zu Stande. Mein ebenfalls nicht perfekter Schreibstil sorgt manchmal für Satzkonstrukte, bei denen selbst ich als Autor die Hände über dem Kopf zusammenschlagen muss. Manchmal ist es aber auch nicht einfach sich klar und deutlich auszudrücken, ohne wichtige Fakten auszulassen.
Um meinen Schreibstil zu verbessern und die Lesbarkeit der zukünftigen Artikel zu steigern, habe ich mir das Buch “Associated Press-Handbuch, Journalistisches Schreiben” von Rene J. Cappon gekauft. Der Klappentext klingt vielversprechend.
„Das vorliegende Buch ist ein ausgezeichneter Leitfaden für journalistisches Schreiben, d.h. für das Formulieren von klaren, genauen, anschaulichen und verständlichen Texten. Der Autor ist [...] Nachrichten-Profi. Das zeigt sich nicht nur am Inhalt des Buchs, sondern auch an der präzisen Sprache. [...] Das Buch ist jedem Journalisten zu empfehlen.“ – Informationsdienst für Bibliotheken.
Der sprachbewusste Chefredakteur der Associated Press versucht in diesem Buch zu vermitteln, wie man Sprache besser einsetzen kann um Informationen deutlich und vor allem verständlich zu vermitteln. Nachdem die ersten 40 Seiten dieses 218 seitigen Werkes gelesen waren, war ich vollkommen von der Rolle, denn ich habe mich in vielen seiner Negativbeispiele wieder entdeckt. Er kritisiert in seinem Buch zum Beispiel das auf-blähen von Sätzen mit Informationen, die eigentlich keinen Zweck erfüllen. Auch das zwanghafte benutzen von Synonymen gerät stark in die Kritik. Besonders schön fand ich ein Beispiel zum Thema präzises Schreiben. Der Autor nimmt als Beispiel einen Satz aus einer Reportage über ein Buschfeuer in Kalifornien.
„Zwölf Rettungswagen standen bereit, verletzte Personen rasch in nahe gelegene Krankenhäuser zu bringen.“
Wenn man diesen Satz das erste mal liest, denkt man sicher: „Aha, zwölf Rettungswagen waren vor Ort und haben die verletzten Personen in Krankenhäuser gebracht, alles klar. Scheint wohl nochmal gut gegangen zu sein.“ Aber auf der nächsten Seite beschreibt Rene J. Cappon, dass neun dieser 13 Wörter überflüssig sind. Im ersten Moment war ich ein wenig verwirrt, denn neun von 13 Wörtern sind schon eine Menge. Doch dann erklärt er wieso 69% der Wörter einfach weggelassen werden können:
„Rettungswagen sind Fahrzeuge für die Rettung; sie trödeln nicht; sie befördern immer verletzte Menschen, nie gesunde und muntere Personen; sie suchen sich kaum die entfernteren Krankenhäuser als Ziel. Vier Wörter ist alles, was nötig gewesen wäre: Zwölf Rettungswagen standen bereit.“ -(Rene J. Cappon, Journalistisches Schreiben, 2006, S. 20f).
Auch die folgenden Seiten waren sehr lehrreich und machen Hoffnung auf humorvoll verpackte Informationen über das Werkzeug Sprache. Deswegen kann ich dieses Buch jedem empfehlen, der versuchen möchte sich in der Schriftsprache deutlicher auszudrücken.
So, bin dann mal weiterlesen.
