Die materialistische Gesellschaft // Klausurersatzleistung
Vorwort:
Wir, die Menschen in den Industrienationen, leben in einer vom Konsum und Überfluss gebrandmarkten Gesellschaft, die mit ihren Mitmenschen immer gnadenloser umgeht. Hat man Geld, hat man Macht und hat man Macht bekommt man in der Regel immer mehr Geld. Skrupellosigkeit und Unmenschlichkeit spielen in diesem Kreislauf eine wichtige Rolle. Häufig sind es die Menschen, die sich ohne Rücksichtnahme auf andere durchs Leben kämpfen, diejenigen die am Ende den dicksten Gehaltsscheck in der Hand haben und andere ausbeuten. Doch woher kommt eigentlich der Gedanke, dass lediglich Geld glücklich macht und materieller Besitz die einzige Form des Ausdrucks für Ansehen ist?
Die oben angesprochene Spirale gibt es auch in umgekehrter Form. Besitzt man wenig Geld, hat man kaum Macht und Mitspracherecht, beziehungsweise Entscheidungsfreiheit und nutzt jede Chance um an Geld zu kommen, damit man am Gesellschaftlichen Leben -oder das was von vielen dafür gehalten wird- teilzunehmen. Man kommt also in eine Position, in der man sich ausbeuten lassen muss, um nicht völlig an den Rand der Gesellschaft gedrängt zu werden. Doch meistens werden Menschen in dieser Position gnadenlos „verbrannt“ und anschließend ausgewechselt.
Doch woher kommt diese Denkweise und was zeichnet sie aus? Dazu muss man sich erstmal mit dem Begriff des klassischen Materialismus beschäftigen.
Der klassische Materialismus:
Der Materialeismus antwortet auf die Frage „Was ist?“ mit der Antwort „Nur Materie“. Die Existenz von Gedanken ist in seiner Ansicht auch auf Materie und chemikalische Prozesse, die in unserem Kopf ablaufen zurückzuführen. Er lässt ebenfalls keinen Spielraum für die Existenz eines Gottes und stellt somit Religion in Frage. Er setzt sich nicht kritisch mit der Thematik Religion und Gott auseinander, sondern spricht sich deutlich gegen diese aus. In seiner Vorstellung kann es so etwas nicht geben.
Aus diesem aus der Naturwissenschaft stammenden Gedanken resultiert nun der ethische Materialismus. Es geht also nur noch darum, seine irdischen Güter zu erweitern und sich möglichst viel Besitz anzueignen, um ein möglichst glückliches Leben auf der Erde zu haben. Häufig werden in diesem Zusammenhang auch Begriffe wie „Konsumgesellschaft“ und „Wegwerfgesellschaft“ gebracht. Dabei wird den Menschen permanent erzählt, dass sie nur über Besitz ihr Glück definieren können. Durch Werbung und andere bereits in dieser Vorstellung gefangene Individuen entsteht ein Druck auf die Menschen, die sich dieser Vorstellung noch nicht gefügt haben sich anzupassen. Die Menschen werden zum Konsum erzogen und es wird ihnen suggeriert, dass sie nur noch durch die neusten Produkte Zufriedenheit erreichen können. Es findet also eine gewollte Manipulation statt, um die Menschen nicht zu verunsichern.
Die Manipulation
In dem Buch „Trust Us, We’re Experts“ von John Stauber wird sehr deutlich erklärt, wie speziell die Medien unsere Gedanken manipulieren und uns immer mehr zum Konsum erziehen. Es wird Angst verbreitet mit Aussagen wie: „Ohne Impfungen würden die Seuchen zurückkehren“. Es werden Informationen bewusst unterschlagen und so verdreht, dass sie vermarktet werden können. Durch das so genannte Agenda Setting der Medien werden die Interessen der Bevölkerung bewusst gelenkt und in die passenden Bahnen gelenkt. Nicht umsonst bezeichnet man die Presse als die vierte Macht im Staat. Es herrscht eine allgemeine „was im Fernsehen gesagt wird stimmt“- Mentalität, die die Leute dazu animiert alles zu glauben, was ihnen erzählt wird. Sie öffnen ihren Verstand für jede Erfindung und jede Lüge, die man ihnen einpflanzt um sie still zu halten. Die gesamte Manipulation dient nur dazu, für mehr Konsum und Akzeptanz in der Bevölkerung zu sorgen. Stellt niemand Fragen oder versucht aus diesem System auszubrechen ist alles „in Ordnung“. Es ist schwer sich gegen die täglich wachsende Bilderflut zur Wehr zu setzen und zu filtern, was wirklich von Bedeutung ist und was nicht nur noch mehr zum Konsum animieren soll. Was sind wirklich noch echte Nachrichten? Gibt es so etwas noch? Verfolgt nicht jede Nachricht das Ziel Ausbeutung und Ungerechtigkeiten zu legitimieren? Warum wird ständig über Terroranschläge berichtet, etwa um zu zeigen das wieder ein paar arme Menschen für Geld sterben mussten, oder um einen Krieg und den Aufenthalt der eigenen Truppen in diesem Land zu legitimieren? Ein Beispiel dafür wäre der Irak. Ging es Anfangs noch um Massenvernichtungswaffen, die leider nie gefunden worden, geht es jetzt um den Völkermörd Saddam Husseins an den Kurden. Es ging angeblich nicht eine Sekunde um das Öl. Es ist jedoch nur schwer zu glauben, dass ein Krieg der zwischen brennenden Ölpipelines stattfindet nichts mit Öl zu tun haben soll, zumal auf merkwürdige Art und Weise die gesamten Förderrechte des Öls inzwischen an Amerikanische Konzerne übergegangen sind. Das ist nur ein großes politisches Beispiel für Manipulation. Es gibt auch die viel kleineren alltäglichen Dinge.
Sobald man den Fernseher einschaltet wird man mit geistloser Werbung bombardiert und mit Konversationen von Talkshow Besuchern gequält. Es ist schwer vorzustellen, dass es Menschen gibt, die so etwas gucken und darin geistige Erfüllung finden. Doch scheinbar muss es sie ja geben, denn gäbe es sie nicht, würden solche Shows abgesetzt, weil sich kein Geld mit ihnen machen ließe.
Es heißt immer, in unserer modernen Welt sind wir auf globale Berichterstattung angewiesen. Ich denke viel mehr als auf eine globale, sind wir noch mehr auf eine objektive Berichterstattung angewiesen. Wo sind all die kritischen Journalisten hin, die Entscheidungen der Politiker hinterfragen? Richtig, die ganzen kritischen Journalisten sind ins späte Abendprogramm verschwunden und zeichnen sich auch nur noch durch oberflächlichen Humor aus. Es ist schwer geworden die vielen Informationen zu filtern und objektiv zu betrachten. Findet man sie doch noch die kritischen Denker und Macher, dann ist das Problem meist dies, dass sie zu kompliziert sind, als das sie noch den normalen Menschen erreichen könnten.
Was ist eigentlich das Ziel?
Das Ziel sollte es sein, einen Schritt zurück zu machen und sich wieder ein bisschen mehr an den Gedanken der Aufklärung anzunähern.
Immanuel Kant sagte einmal die schlauen Worte: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“
Dieser Gedanke scheint in vielen Köpfen entweder niemals angekommen zu sein, noch scheint er gelebt zu werden. Es wird einem gesagt, was man zu denken hat, was man zu kaufen hat und wie man zu leben hat. Ich denke das es nicht möglich ist, von dieser radikalen Konsumgesellschaft abzusagen, wenn der Großteil der Menschheit nicht mehr in der Lage ist selber zu denken. Doch wie kann man es Menschen zumuten, sich nachdem sie 12 Stunden gearbeitet haben noch mit schweren Schriftstücken und Gesellschaftskritik zu befassen? Es ist leider verständlich, dass diese dazu schlichtweg keine Lust mehr haben. Der Kapitalismus an sich ist nicht zwangsläufig zu verteufeln. Wir sind in unserer heutigen Zeit nur an einem Punkt angelangt, in dem er perverse Ausmaße annimmt und dafür sorgt, dass unser Planet und alles Leben auf ihm zu Grunde gehen wird.
Wie Hobbes schon sagte: „der Mensch ist des Menschen Wolf“. An dieser schon seit jeher bestehenden Tatsache wird sich auch nur schwer etwas ändern lassen. Es müsste ein radikales Umdenken stattfinden. Es bringt nichts, wenn man den Kapitalismus durch ein anderes Wirtschaftssystem ersetzt, denn es wird immer Menschen geben die mehr haben wollen, wenn das Konkurrenzdenken bestehen bleibt. Das kurzfristige Ziel sollte es sein, für mehr Sensibilität und Verständnis für das Geschehen in der Welt, in den Köpfen derer zu sorgen, die diese Eigenschaften verlernt haben. Und dies gelingt am einfachsten bei den Kindern.
Was ist das genaue Problem an der Konsumgesellschaft?
Das Problem liegt klar auf der Hand, es gibt einfach keine gerechte Verteilung des Geldes mehr. Die Armen werden immer ärmer und die Reichen immer reicher. Es wird gnadenlos ausgebeutet und die Umwelt zerstört.
Doch es geht nicht nur um die so oft angesprochene Umwelt oder die großen Firmen, die Gesellschaft, es geht viel mehr um ihre kleinsten Bestandteile, das Individuum an sich ist in Gefahr. Durch die ständige Belastung auf der Arbeit und den Druck wird es starken psychischen Anforderungen ausgesetzt, die irgendwann dazu führen, dass der Mensch erledigt ist. Er arbeitet sich kaputt. Doch um dies zu verhindern gibt es Gehirndoping und andere Mittelchen die dafür sorgen sollen, dass der Mensch funktioniert. Er wird zum Status einer Maschine degradiert und muss nur noch Arbeiten und findet keinen Platz mehr sich und seine Träume zu verwirklichen. Wir versklaven uns selbst, wenn wir nicht anfangen die Ausbeutung durch die paar Reichen und Mächtigen die davon profitieren zu verhindern.
Änderungen auf politischer Ebene:
Was muss sich politisch ändern, damit man aus diesem ausbeuterischen, sich selbst zerstörenden und ungerechten System ein Konstrukt schafft, dass ein besseres Leben ermöglicht?
Die Frage ist jedoch auch, wie radikal soll eine Umsetzung erfolgen? Will man komplett gegen die Globalisierung vorgehen oder will man lediglich dafür sorgen, dass Löhne gerechter verteilt werden und Menschen wieder wie Menschen und nicht wie Roboter behandelt werden.
Es müssen also zwangsläufig neue Gesetze erlassen werden, die dafür sorgen, dass die Arbeitnehmer einen angemessenen Lohn für ihre Arbeit erhalten. Doch das ist noch so einfach, was ist angebracht und was ist gerecht? Aus Sicht des Unternehmers ist es am gerechtesten, wenn er am meisten bekommt, weil er am Ende die Verantwortung trägt. Doch es ist sicher nicht gerecht, wenn ein Arbeiter nicht von seinem Gehalt leben kann, während sich der Chef das dritte Auto kauft. Es sollte zudem dafür gesorgt werden, dass sich Arbeitnehmer mehr auf den Rechtsstaat verlassen können und ermutigt werden ihre Rechte einzuklagen und gegen dubiose Arbeitsverträge vorzugehen. Dies ist meistens noch nicht der Fall. Doch das größte Problem an Veränderungen auf politischer ebene ist auch, dass die Politik selbst ein großes Interesse daran hat das System am Leben zu erhalten. Sie profitieren von der Manipulation und der Ausbeutung, weil sie dadurch selber am meisten Geld verdienen. Hier anzusetzen wird also nur bedingt erfolgreich sein, da die Politiker viel zu stark involviert sind, als das sie effektiv etwas ändern wollten.
Änderungen auf gesellschaftlicher und psychologischer Ebene:
Es muss aufgehört werden zu glauben, dass der Besitz materieller Güter die einzige Möglichkeit ist glücklich zu sein. Es muss aufgehört werden den Leuten glaubhaft machen zu wollen, dass Kaufen glücklich macht. Man muss wieder lernen seine Mitmenschen nicht an Handymarken und Geldbörsendicke zu messen sondern an den Dingen die sei Tun und die sie Leben. Der Maßstab sollte die Persönlichkeit sein und nicht das Geld. Versucht man jedoch auch diesem Muster auszubrechen, wird man häufig durch den entstehenden Druck wieder in es gezwungen. Die Gesellschaft sollte wieder menschlicher werden. Ist es menschlich, wenn Mitarbeiter nach vielen Jahren Betriebszugehörigkeit rausgeworfen werden, weil sie ein Brötchen „klauen“ ? Es ist vielleicht rechtlich vertretbar, aber nicht menschlich. Doch wie soll so ein Umbruch funktionieren, wenn die Medien nicht mitwirken und immer weiter ihre Werbeslogans in die Gedanken einschleusen.
Es ist nicht verwunderlich das ausgelöst durch den Stress und den Erwartungsdruck immer mehr Personen an Depression und Bluthochdruck leiden. Der Mensch ist, wenn man einem Interview des Focus mit Martin Brüne, einem Psychologen an Klinik Ruhr-Universität Bochum glauben darf, nicht auf den hohen Druck ausgelegt. Die biologische Entwicklung ist nicht schnell genug, als das sie mit dem schnellen wissenschaftlichen Fortschritt mithalten könnte. Doch ist es überhaupt wünschenswert das wir uns in diese Richtung entwickeln?
Persönliche Erfahrungen mit der materialistische Gesellschaft:
Von einer guten Freundin die im Kindergarten arbeitet, weiß ich wie weit die Denkweise des Materialismus schon in den Köpfen der kleinen Kinder verankert ist. So werden Kinder, die nicht die richtige Kleidung tragen ausgeschlossen. Es wird sich mit den Berufen der Eltern duelliert und darüber debattiert, welche Eltern denn nun reicher sind. Natürlich, dass sind noch kleine Kinder, aber als ich klein war, haben wir uns nicht über solche Dinge „gestritten“ sie waren kein Kriterium dafür, ob ich mit jemandem befreundet bin oder nicht.
Wie Eingangs erwähnt impliziert die materialistische Denkweise auch die Leistungsgesellschaft. In der Schule sind wir jeden Tag einem enormen Druck ausgesetzt. Es wird uns gesagt wir sollen eine Klassengemeinschaft sein und doch sind wir alle Konkurrenten um die besten Noten. Denn sie sind das einzige an dem man uns vergleichen kann. Doch was kann es für eine Alternative geben?
Guckt man sich um stellt man auch immer öfter fest, dass die Menschen oft gar keine Probleme damit haben ausgebeutet zu werden. Sie leben in ihrer kleinen heilen Welt und haben keine Ziele mehr. Sie leben in den Tag und versuchen gar nicht mehr ihren Verstand gegen die herrschenden Ungerechtigkeiten zu erheben. Sie machen einen glücklichen Eindruck. Soll man also wirklich versuchen diese Menschen zu retten?
Ich hätte sicherlich noch mehr schreiben können, aber dann hätte ich meine eigene Aussage nicht verstanden. Also werde ich jetzt etwas für die Entfaltung meiner Persönlichkeit tun und ein gutes Buch lesen.
